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Flott zum Facharzt

Seit Jahren ist immer wieder zu lesen, dass Menschen unnötig lange leiden, weil mehrere Monate auf Facharzttermine gewartet werden muss. Jahrelang ist es nicht gelungen, das Problem für gesetzlich Versicherte in der Griff zu bekommen, während privat Krankenversicherte oft in weniger Tagen dran kommen. Die Politik hat eingegriffen und die kassenärztlichen Vereinigungen verpflichtet, Terminservicestellen einzurichten.
Grafik des BMGSeit Januar 2016 müssen Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung „innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin vermittelt bekommen. Den Termin müssen die Terminservicestellen dem Versicherten innerhalb einer Woche nennen, gerechnet ab dem Zeitpunkt, an dem er sich an die Terminservicestelle gewandt hatte. Dabei gilt eine Entfernung zu allgemeinen Fachärzten, wie beispielsweise Haut-, Frauen-, oder Augenärzten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von bis zu einer halben Stunde als zumutbar. Bei spezialisierten Fachärzten, wie beispielsweise Fachinternisten oder Radiologen, gilt eine Stunde als zumutbar.
Ausgangspunkt für die Minutenregel ist jeweils der nächstgelegene geeignete Facharzt. Wenn also beispielsweise der nächstgelegene geeignete Augenarzt (der jedoch keinen Termin hat) 20 Minuten entfernt ist, dann wäre eine Entfernung zu dem von der Terminservicestelle vermittelten Augenarzt von bis zu 50 Minuten akzeptabel,“ schreibt der GKV-Spitzenverband. Anders ausgedrückt: Es wird der Facharzt gesucht, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Ihrem Wohnort aus am schnellsten zu erreichen ist. Kann dort kein Termin innerhalb von 4 Wochen arrangiert werden, muss weiter gesucht werden. Als zumutbar gilt, wenn die Fahrzeit zum vorgeschlagenen Facharzt mit Bus und Bahn höchstens 30 Min (60 Min) länger dauert, als zum nächsten, vergleichbaren Facharzt.
Die Terminservicestellen mussten auf Initiative der Berliner Koalition geschaffen werden. Die ärztlichen Standesvertretungen, wie zum Beispiel der Virchow Bund, reagieren weitgehend ablehnend auf dieses Projekt. Dazu kommt, dass im deutschen Gesundheitssystem selten Reformeifer zu spüren ist. Deshalb hat die Politik, wie die Frankfurter Rundschau (FR) schreibt, vorgesorgt: „nach vier Wochen Wartezeit hat der Patient das Recht, sich in einer Klinik behandeln zu lassen. Bezahlt würde dies aus dem budgetierten Topf der jeweiligen Facharztgruppe, das heißt, der Kuchen würde für sie kleiner.“ Dieser Mechanismus sollte dazu beitragen, dass die Terminservicestellen erfolgreich werden.

Terminservicestellen im Überblick, Themenseiten des Bundesgesundheitsministeriums.