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Japan

Eine Katastrophe, zwei Katastrophen, drei Katastrophen … Vor einem Monat bebte die Erde vor der Ostküste Japans. Dann kam der Tsunami. Dann schmolzen Reaktorkerne. Der japanische Berufsverband für Pflegeberufe plant etwa 1.000 Pflegekräfte in die am meisten betroffenen Gebiete zu entsenden. Mitglieder des IPPNW erklären: Wir werden Euch nicht retten können!

Die Folgen des Erdbebens sind auch einen Monat nach dem Ereignis kaum zu begreifen. Die taz meldet gestern, dass wahrscheinlich achtundzwanzigtausend Menschen starben. Bisher seien dreizehntausend Tote gefunden worden. Tausende wird man nie finden können.

Die Japanese Nursing Association (JNA) beteiligt sich an den Katastrophenhilfemaßnahmen durch die Entsendung von Pflegefachkräfte mit Zusatzqualifikationen in Katastrophenhilfe. Es ist geplant bis Mitte April 1.000 Hilfskräfte in die betroffenen Gebiete zu entsenden. Das International Council of Nurses (ICN) hat einen Spendenaufruf der japanischen KollegInnen übernommen.
Wir werden euch nicht retten können

Junge Mitglieder des IPPNW, Studierende des Fachs Medizin haben eine öffentliche Erklärung zu den Folgen des Erdbebens in Japan herausgegeben:
„Krebserkrankungen jeglicher Art, Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Erbgutveränderungen – auch nach Beseitigung der offensichtlichen Folgen durch Erdbeben und Tsunami werden die Menschen in Japan auf Generationen zu leiden haben. Die zerstörten Städte und Dörfer wieder aufzubauen wird lange dauern. Eine Normalisierung der Lebensbedingungen für die betroffene Bevölkerung bedeutet dies jedoch nicht. Die aus japanischen Atomkraftwerken ausgetretene Strahlung überschreitet jetzt schon jegliche Grenzwerte um ein Vielfaches. Die Menschen in Fukushima und im gesamten Nordosten Japans werden der Radioaktivität nicht entkommen können: Sie tragen sie auf der Haut, nehmen sie mit der Nahrung auf und atmen sie ein. In den Organismus gelangt, zirkulieren strahlende Partikel mit dem Blutstrom und lagern sich auf unbestimmte Zeit in Organen ab. Dort werden sie noch sehr lange weiterstrahlen und unheilbare Krankheiten auslösen. Durch Schädigungen im Erbgut werden auch in nachfolgenden Generationen gehäuft Missbildungen, Tumorerkrankungen und Leukämien auftreten. Die Auswirkungen sind bekannt, denn wir hatten in den letzten 25 Jahren leider die Gelegenheit, sie nach dem Unfall in Tschernobyl eingehend zu studieren. Welche psychosozialen Folgen dieses zweite atomare Trauma in Japan haben wird, ist noch nicht abzusehen.
Dieser Aspekt der Katastrophe ist menschengemacht. Vor einem anderen Hintergrund könnte er sich jederzeit auch in Europa wiederholen. Auch die 17 deutschen Atomkraftwerke sind von Störfällen und Sicherheitsdefiziten nicht ausgenommen und stellen damit ein unverantwortbares Risiko dar.
Wir … sind uns bewusst, die Folgen eines Atomunfalls medizinisch und menschlich nicht auffangen zu können. Als zukünftige Ärzte würde dies im Ernstfall von uns erwartet werden. Wir könnten genau so wenig helfen wie jetzt unsere japanischen Kollegen.
Die einzige Konsequenz kann für uns nur die Abschaltung aller Atomkraftwerke sein.“