Beratungstelefon: 030 96 53 53 59

Für umfassende Reformen

Jürgen Gohde, Vorsitzender des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA), fordert in einem Interview mit der taz Reformen in vielen Bereichen der Pflege. Weil es in den nächsten Jahrzehnten immer mehr Menschen geben wird, die mit Einschränkungen ihrer Beweglichkeit zurecht kommen müssen, wird es viel mehr Bedarf an praktisch gestaltetem Wohnraum geben. Die bisherigen Konzepte der stationären Versorgung können den Bedarf nicht decken. Er sieht hier bereits heute Aktivitäten vieler Wohnungsgesellschaften. Der gesamte Assistenzbedarf wird kaum mit professionellen Pflegekräften gedeckt werden können, auch wenn im Ausland angeworben werden würde. In Japan seien solche Konzepte gescheitert. Bisher werde unglaublich viel pflegerische Unterstützung in den Familien geleistet und bleibe meist unsichtbar. Es müssten für die kommenden Jahrzehnte neue Formen sozialen Engagements in der Altenhilfe etabliert werden, wobei darauf zu achten sei in „Wohnquartieren“, also kleinen lokalen Einheiten zu denken. Aber auch die Förderung der Selbstständigkeit mit Hilfe technischer Systeme will Gohde auf die Reform-Agenda setzen.
Wir werden „einen Hilfemix, also das Zusammenwirken von ehrenamtlichen, von nachbarschaftlichen, von genossenschaftlichen und von professionellen Strukturen fördern müssen. Wir sind künftig … [darauf] angewiesen dass es gelingt, die Grenze zwischen der ambulanten und der stationären Versorgung durchlässiger zu machen.“
Bei Fragen nach dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff zeigt sich Gohde dünnhäutig. Seit mehr als eineinhalb Jahren liegen die Konzepte auf dem Tisch. Dass die Politik die Umsetzung kaum voran getrieben habe, kritisiert er deutlich. Für die Finanzierung fordert er die Fortsetzung der solidarischen Finanzierung.

Diese Ideen können nicht nur durch Gesetzesänderungen im Jahr 2011 erreicht werden. Folgerichtig spricht Gohde davon, dass die Notwendigkeiten in der Pflege einen neuen „Gesellschaftsvertrag“ bräuchten.
„Der Bedarf wird unglaublich steigen“, Interview mit Jürgen Gohde in der taz vom 5.1.2011